Die Galgos      

 

Gequält und abgemagert,

das Vertrauen an die Menschheit verloren,

von Tierfreunden gerettet, aufgepäppelt,

steh ich jetzt da wie neugeboren.

 

Ich, ein Galgo, wurd

von „echten Menschen“ vor dem Tode gerettet,

dabei hatte ich zuhaus´ in Spanien

meine Seele schon verwettet.

 

Ha! Ist das schön, nicht jeder Mensch ist gleich -

„um das festzustellen“ musste ich nach Österreich!

Hier wird man nicht für viele lange Stunden,

achtlos und ohne Futter an einen Baum gebunden.

 

Hier gibt es auch keine Schläge wenn man bellt,

hier ist es, als wäre es eine andere Welt.

Ach, selbst in meinem übergrossen Glück,

enk ich an meine armen Freunde zurück.

 

„Haltet durch Freunde, nicht voreilig aufgeben,

auch auf euch wartet noch ein schönes Leben!.“

Diese „besonderen Menschen“ mit all ihrer Liebe und Kraft,

kämpfen gegen alles, was den Galgos Leiden schafft!

 

(Vom stolzen Besitzer einer glücklichen Galgohündin namens „Dulce“.)

 

 

Der Windhund Flick von Fleckenstein

 

war weiß und porzellanen,

mit einem Hauch von Elfenbein,

er hatte hundert Ahnen.

 

Als Rassehund von altem Blut -

wenngleich noch jung an Jahren -

bewohnte er ein Rittergut,

in dem 3 Fürsten waren.

 

Auf Seidekissen – gelb gestreift –

geruhte er zu ruhen

und war der Rasen kühl bereift,

schritt er einher in Schuhen.

 

Die Hunde in der Nachbarschaft -

es waren an die hundert -

die haben seine Hundeschaft

ganz ungemein bewundert. 

 

Einst, als der Hund alleine war,

begann es zu gewittern.

Da sträubte sich sein edles Haar,

der Hund fing an zu zittern.

 

Ein Blitz schlug in der Nähe ein,

der ganze Boden bebte.

Sofort fiel Flick von Fleckenstein

in Ohnmacht – doch er lebte.

 

Zum Glück kam eine Möpsin an,

krummbeinig, dick und ältlich.

Die sah den Hund und sprach sodann:

"Dir helf´ ich unentgeltlich!"

 

Sie sagte – und schritt dabei zur Tat:

„Ich knöpf Dir auf die Schuhe,

ich schleck Dir dann Dein Fellchen glatt,

immer mit der Ruhe.“

 

„Was Frieda tut, ist immer gut!“

So sagte sie und lachte.

Der edle Hund aus altem Blut

vernahm´s, als er erwachte.

 

Er fragte matt: “Wer sind Sie Frau?“

„Ich, Herr, ich bin die Frieda!

Du warst vor lauter Kälte blau

an Deinen ganzen Gliedern!“

 

„Ich rieb Dich schnell mit Spucke ein

- mein Herr ist Arzt, mein Bester.“

Da hauchte Flick von Fleckenstein:

„Ich danke Ihnen Schwester.“

 

Dann lief er fort, so windhundschnell,

als ob er räudig wäre.

Er war gesund an Leib und Fell,

doch krank in seiner Ehre.

 

„Sie hat mich“ sprach von Fleckenstein

„geduzt wie ihresgleichen,

und ich, ich muss ihr dankbar sein!

Es ist zum Steinerweichen.“

 

Er ward von dieser Kränkung krank,

als hätt´ sie ihn gebissen.

Er starb auf seiner Polsterbank,

in gelb gestreiften Kissen.

 

Als Frieda seinen Grabstein fand,

vergoss sie manche Zähre,

weil da auf dem Grabstein stand:

„ER STARB AN SEINER EHRE!“

 

( aus „James Tierleben“ von James Krüß“)